Arbeitslosigkeit

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Arbeitslosigkeit

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Ar|beits|lo|sig|keit ['arbaiŐģtsŐģlo:z…™√ßkaiŐģt], die; -:
1. das Arbeitslossein; Zustand, arbeitslos zu sein:
seine Arbeitslosigkeit dauert schon ein Jahr.
2. das Vorhandensein von Arbeitslosen:
es gab kaum, keine Arbeitslosigkeit.

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Šļ†r|beits|lo|sig|keit ‚Ć©f. 20; unz.‚Ć™ Mangel an Arbeitsgelegenheit mit Verdienst; Sy Erwerbslosigkeit

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AŐ£r|beits|lo|sig|keit , die; -:
1. das Arbeitslossein; Zustand, ‚ÜĎ arbeitslos (1) zu sein.
2. das Vorhandensein von Arbeitslosen:
es gab kaum, keine A.

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Arbeitslosigkeit,
 
Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt, bei dem die angebotene Art und Menge von Arbeitsleistungen die nachgefragte Art und Menge √ľbersteigt, sodass ein Teil der Erwerbspersonen zeitweise ohne Besch√§ftigung ist. Produktionstheoretisch bedeutet Arbeitslosigkeit eine Unterauslastung des Produktionsfaktors Arbeit: das vorhandene Arbeitskr√§ftepotenzial wird nicht vollst√§ndig zur Produktion von Waren und Dienstleistungen genutzt (Unterbesch√§ftigung). Aus wirtschaftspolitischen, aber noch mehr aus sozial- und gesellschaftspolitischen Gr√ľnden (materielle Einbu√üen, Beeintr√§chtigung des Selbstwertgef√ľhls) gilt die Vermeidung von Arbeitslosigkeit beziehungsweise Gew√§hrleistung eines hohen Besch√§ftigungsstandes (Vollbesch√§ftigung) als ein wichtiges politisches Ziel. Gleichwohl k√∂nnen Konflikte mit anderen gesamtwirtschaftlichen Zielen (z. B. Preisniveaustabilit√§t, Phillips-Kurve) auftreten.
 
 
Arbeitslosigkeit l√§sst sich zur√ľckverfolgen bis zum Beginn des arbeitsteiligen Wirtschaftens, d. h. bis in die Antike. Auch in der mittelalterlichen Wirtschaft der Z√ľnfte und der Manufakturwirtschaft der j√ľngeren Neuzeit gab es Ungleichgewichte am Arbeitsmarkt, wenngleich diese Wirtschaftsordnungen keine Massenarbeitslosigkeit im heutigen Sinne kannten. Extreme Formen hat die Arbeitslosigkeit im Zeitalter der Industrialisierung und v. a. w√§hrend der Weltwirtschaftskrise 1929 angenommen (Tabelle 1). Andererseits kennt man sie nicht in Zeiten der Zwangsherrschaft, der Sklaverei und der Leibeigenschaft sowie w√§hrend des Arbeitsdienstes in den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts. Dauerhaft beseitigt wurde Arbeitslosigkeit nur in den sozialistischen Planwirtschaften unter enormen Wohlfahrtsverlusten und unter Einschr√§nkung individueller Freiheiten.
 
In modernen Industriestaaten ist Arbeitslosigkeit als Massenph√§nomen ein ernst zu nehmender Faktor; eine zeitweilig geringe Arbeitslosigkeit wie in der Bundesrepublik Deutschland in den 60er-Jahren oder √ľber Jahrzehnte in der Schweiz und in Schweden ist eher die Ausnahme. Sieht man davon ab, so lag die Arbeitslosenquote in den Industriel√§ndern in den letzten 10 Jahren bei etwa 7 % bis 8 %.
 
In Deutschland lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2000 bei 9,6 %; sie war damit fast immer noch so hoch wie 1994, also wenige Jahre nach der Wiedervereinigung. Damit ist aber die Unterauslastung des Arbeitskr√§ftepotenzials nicht hinreichend beschrieben. Neben den rd. 3,9 Mio. registrierten Arbeitslosen sind auch diejenigen Erwerbspersonen zu nennen, die der so genannten stillen Reserve zugerechnet werden oder - v. a. in den neuen Bundesl√§ndern - durch besondere arbeitsmarktpolitische Ma√ünahmen (Vorruhestand, Alters√ľbergangsgeld, Vollzeitma√ünahmen der Fortbildung, Umschulung beziehungsweise der beruflichen Weiterbildung, Arbeitsbeschaffungs- und Strukturanpassungsma√ünahmen, Kurzarbeit) vor direkter Arbeitslosigkeit bewahrt wurden. Dabei handelt es sich um eine Zahl von 2,0 Mio. Die Unterauslastung des Faktors Arbeit ist damit auf 5,9 Mio. Personen (jahresdurchschnittlich) zu beziffern.
 
Ursachen und Struktur der Arbeitslosigkeit sowie Verteilung auf bestimmte Personengruppen sind in den alten und den neuen Bundesl√§ndern immer noch sehr unterschiedlich; eine l√§ngere zeitliche Betrachtung ist zudem nur f√ľr Westdeutschland m√∂glich.
 
Im fr√ľheren Bundesgebiet gelang nach dem Zweiten Weltkrieg ein rascher Abbau der v. a. durch Kriegsfolgen (Zerst√∂rungen, Fl√ľchtlingszustrom) bedingten Arbeitslosigkeit. Die Arbeitslosenquote sank von (1950) 10,4 % auf (1961) 0,9 %. Bis Anfang der 70er-Jahre folgte eine Phase mit sehr geringer Arbeitslosigkeit, zeitweise mit √úberbesch√§ftigung, in der der Arbeitskr√§ftebedarf bei sinkendem inl√§ndischen Erwerbspersonenpotenzial durch die Anwerbung von √ľber 2 Mio. ausl√§ndischen Arbeitnehmern gedeckt werden musste. Vom niedrigsten Stand 1962 (155 000 Arbeitslose; Arbeitslosenquote 0,7 %) erh√∂hte sich die Arbeitslosigkeit in der kurzen Rezession 1967 (459 000; 2,1 %) und schien sich 1973 auf niedrigem Niveau zu stabilisieren (272 000; 1,2 %).
 
Im Gefolge der ersten √Ėlpreiskrise im Jahr1974 stieg die Arbeitslosigkeit schlagartig an. 1975 √ľberschritt die Zahl der registrierten Arbeitslosen erstmals seit 1954 wieder die Millionengrenze (die Arbeitslosenquote betrug 4,7 %). Mit der konjunkturellen Erholung konnte die Arbeitslosigkeit bis 1980 zwar etwas abgebaut werden. Vor dem Hintergrund der durch die zweite √Ėlpreiskrise verursachten Stagnation verdoppelte sich jedoch die Zahl der Arbeitslosen von 1980 bis 1982 und √ľberschritt 1983 im Jahresdurchschnitt die 2-Millionen-Grenze. 1985 waren 2,3 Mio. Menschen als arbeitslos registriert (Arbeitslosenquote: 9,3 %).
 
Trotz des 1982 einsetzenden und bis zu Beginn der 90er-Jahre anhaltenden Wirtschaftsaufschwungs verharrte die Arbeitslosigkeit zumindest bis 1989 auf relativ hohem Niveau. Dabei darf allerdings nicht √ľbersehen werden, dass 1989 im Vergleich zu 1983 1,4 Mio. Erwerbst√§tige mehr besch√§ftigt wurden. Einem Arbeitsmarktausgleich stand jedoch im gleichen Zeitraum eine Zunahme des Erwerbspotenzials in einer Gr√∂√üenordnung von 1,58 Mio. im Wege. Die Entwicklung verlief allerdings regional und sektoral unterschiedlich: Traditionelle Industriestandorte im Saarland, dem Ruhrgebiet und in K√ľstenregionen fielen weiter hinter Regionen in Baden-W√ľrttemberg und S√ľdbayern mit vergleichsweise modernen Produktionsstrukturen im Fahrzeug- und Maschinenbau oder der Elektroindustrie zur√ľck.
 
Die deutsche Vereinigung f√ľhrte wegen der hohen nachfragewirksamen Transfers dazu, dass sich die Ende der 80er-Jahre weltweit beginnende Rezession erst ab 1992 auf dem westdeutschen Arbeitsmarkt niederschlug. Auch f√ľr den Zeitraum 1990-92 galt, dass die Steigerung der Erwerbst√§tigkeit um weitere 1,794 Mio. in hohem Ma√üe durch den gleichzeitigen Anstieg des Erwerbspotenzials erm√∂glicht wurde und der R√ľckgang der Arbeitslosigkeit eher bescheiden ausfiel. Immerhin erh√∂hte sich die Besch√§ftigung 1983-92 um 3,2 Mio. und erreichte mit 31,47 Mio. den bis dahin h√∂chsten Stand der Nachkriegsgeschichte. Infolge der 1992 einsetzenden Rezession kam es in den alten Bundesl√§ndern zu einem erneuten Anstieg der Arbeitslosigkeit, die 1997 mit jahresdurchschnittlich √ľber 3 Mio. einen neuen H√∂chststand erreichte.
 
Eine Besonderheit der Entwicklung der letzten Jahrzehnte ist, dass sich der rezessionsbedingte Anstieg der Arbeitslosigkeit in der nachfolgenden Erholungsphase nicht mehr zur√ľckbildete und der Anstieg der Arbeitslosenzahl in einer weiteren Rezession auf einem jeweils h√∂heren ¬ĽSockel¬ę begann (Hysteresis-Ph√§nomen).
 
Die Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesl√§ndern entwickelte sich in k√ľrzester Frist von einer planwirtschaftlichen Vollbesch√§ftigung (9,75 Mio. Erwerbst√§tige im Herbst 1989) in einem Umfang, der auch Gr√∂√üenordnungen in vergleichbaren mittel- und osteurop√§ischen Transformationsstaaten (z. B. Polen, Tschechische Republik, Ungarn) √ľbertraf. Bei der Beurteilung muss ber√ľcksichtigt werden, dass die hohe Zahl von Erwerbst√§tigen in der DDR auf einer Volkswirtschaft mit geringer Produktivit√§t sowie einer F√ľlle von systembedingten T√§tigkeiten im politischen, sozialen, kulturellen und staatlichen Bereich basierte. Insoweit wird im Hinblick auf die Besch√§ftigungssituation auch von ¬Ľverdeckter Arbeitslosigkeit¬ę gesprochen.
 
F√ľr den raschen Abbau von Arbeitspl√§tzen in den neuen Bundesl√§ndern, der sich nur zu einem geringen Teil in registrierter Arbeitslosigkeit niederschlug, waren mehrere Gr√ľnde ma√ügebend. Die mit der Wirtschafts- und W√§hrungsunion vom 1. 7. 1990 verbundene starke w√§hrungspolitische Aufwertung der DDR-Wirtschaft setzte die Betriebe unter starken Anpassungsdruck. Die in der Folgezeit vereinbarte relativ rasche Angleichung der ostdeutschen L√∂hne an das westdeutsche Niveau, der keine analogen Produktivit√§tsfortschritte folgten, versch√§rften die Situation weiter. Hinzu kam, dass die sektorale Struktur jener der alten Bundesl√§nder in den 60er-Jahren entsprach, wodurch in k√ľrzester Frist ein grundlegender Strukturwandel zu vollziehen war. Der Wegfall der traditionellen Ostm√§rkte sowie die Notwendigkeit, sich auf den gesamtdeutschen und internationalen M√§rkten behaupten zu m√ľssen, zwangen die Unternehmen, in erheblichem Ma√üe Arbeitskr√§fte freizusetzen. Insgesamt gingen in den neuen Bundesl√§ndern bis 2000 3,35 Mio., d. h. etwa 35 % der 1989 existierenden Arbeitspl√§tze, verloren. Die Zahl der Arbeitslosen stieg allerdings ¬Ľnur ¬ę auf 1,36 Mio. im Jahre 2000. Dies war nur m√∂glich durch massiven Einsatz arbeitsschaffender und arbeitsst√ľtzender Ma√ünahmen, Fortbildungs- und Umschulungsma√ünahmen sowie zus√§tzliche Instrumente zur Verringerung des Arbeitskr√§fteangebots wie Vorruhestands- und Alters√ľbergangsgeld. Dar√ľber hinaus wurde der ostdeutsche Arbeitsmarkt durch Abwandern und Pendeln von Ost- nach Westdeutschland in erheblichem Ma√üe entlastet. Zu Beginn des Restrukturierungsprozesses standen Kurzarbeit (einschlie√ülich Kurzarbeit von null Stunden) sowie Vorruhestandsgeld und - nachfolgend - das Alters√ľbergangsgeld im Vordergrund. Mit dem R√ľckgang der Kurzarbeitsregelungen wurden ab 1992 v. a. Arbeitsbeschaffungsma√ünahmen (ABM), Strukturanpassungsma√ünahmen (SAM) und Strukturanpassungsma√ünahmen Ost f√ľr Wirtschaftsbetriebe (SAM OfW) sowie Ma√ünahmen der Fortbildung und Umschulung (FuU) beziehungsweise F√∂rderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) eingesetzt (Tabelle 2).
 
√Ėsterreich und die Schweiz waren in der Nachkriegszeit in wesentlich geringerem Ausma√ü von Arbeitslosigkeit betroffen als die Bundesrepublik Deutschland In √Ėsterreich erreichte die Nachkriegsarbeitslosigkeit mit (1953) 183 875 Arbeitslosen und einer Arbeitslosenquote von 8,7 % ihren H√∂chststand; 1960 waren erstmals weniger als 100 000 Erwerbspersonen als arbeitslos gemeldet. 1961-81 kann von einer Phase der Vollbesch√§ftigung gesprochen werden mit Arbeitslosenquoten zwischen (1974) 1,5 % und (1968) 2,9 %. 1982 wurden erstmals nach 1959 wieder mehr als 100 000 Arbeitslose registriert (Arbeitslosenquote 3,7 %). W√§hrend der Rezession zu Beginn der 90er-Jahre stieg auch in √Ėsterreich die Arbeitslosigkeit; das Niveau blieb aber mit Abstand unter jenem in Deutschland In der Schweiz waren 1950 30 177 Ganzarbeitslose (im Unterschied zu Teilarbeitslosen = Kurzarbeitern) registriert. Diese Arbeitslosenzahl sank schon 1955 auf unter 10 000; 1960 waren lediglich 1 227 Erwerbspersonen arbeitslos. Die Arbeitsmarktlage ist trotz des Anstiegs der Zahl der Ganzarbeitslosen bis 1990 bei Arbeitslosenquoten von unter 1 % durch Vollbesch√§ftigung gekennzeichnet. 1961-74 waren weniger als 5 000 Ganzarbeitslose registriert, 1969-74 sogar weniger als 500 (Tiefststand 1974: 134). Im Gefolge der Rezession am Beginn der 90er-Jahre stieg die Arbeitslosigkeit auch in der Schweiz. Sie erreichte dabei 1993 mit 163 135 Arbeitslosen beziehungsweise einer Arbeitslosenquote von 4,5 % ihren h√∂chsten Stand in der Nachkriegszeit; inzwischen hat sie sich wieder nachhaltig zur√ľckgebildet.
 
Seit Mitte der 70er-Jahre ist die Arbeitslosigkeit in fast allen Industriel√§ndern st√§ndig gestiegen und erreichte 1993/94 rezessionsbedingt einen H√∂hepunkt. Die Arbeitslosenquoten der EU-L√§nder liegen im Durchschnitt √ľber denen der OECD insgesamt.
 
Kennzeichnend f√ľr die Arbeitslosigkeit in Industriel√§ndern ist die starke Zunahme zu Beginn der 80er-Jahre und die zum Teil nur z√∂gerliche R√ľckbildung in den Folgejahren. Weltweit sind nach Sch√§tzungen der ILO (2000) 160 Mio. Menschen ohne Besch√§ftigung. Hinzu kommen etwa 500 Mio. Besch√§ftigte, die aufgrund niedriger Arbeitsl√∂hne nicht in der Lage sind, sich und ihre Familien zu ern√§hren.
 
 Struktur
 
Die Struktur der Arbeitslosigkeit nach Berufen, Branchen, Regionen und demographischen Merkmalen unterliegt einem st√§ndigen Wandel. Trotzdem lassen sich bestimmte Problembereiche identifizieren. Die regional h√∂chsten Arbeitslosenquoten im fr√ľheren Bundesgebiet wurden im Jahr 2000 aus den norddeutschen K√ľstenregionen (z. B. Leer [Ostfriesland], Emden, Bremerhaven, Wilhelmshaven), der nieders√§chsischen Automobil-Region (z. B. Helmstedt, Hannover), dem Saarland (z. B. Saarbr√ľcken) und dem Ruhrgebiet (z. B. Dortmund, Duisburg, Bochum, Gelsenkirchen), aber auch K√∂ln mit mit Werten um oder √ľber 10 % gemeldet. Besonders niedrige Arbeitslosenquoten weisen einige Arbeitsamtsbezirke in S√ľdbayern auf (z. B. Freising, Donauw√∂rth, Rosenheim, Traunstein). Nach Bundesl√§ndern sind Erwerbspersonen in Baden-W√ľrttemberg, Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz am wenigsten von Arbeitslosigkeit betroffen (Tabelle 3).
 
In den neuen Bundesl√§ndern geh√∂ren zu den am st√§rksten von Arbeitslosigkeit betroffenen Gebieten v. a. l√§ndliche Regionen, insbesondere n√∂rdlich von Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch die Randgebiete zu den alten Bundesl√§ndern sowie Sachsen-Anhalt. Vergleichweise g√ľnstig schneiden die Ballungsgebiete Leipzig, Dresden, Halle und als Sonderfall Ost-Berlin ab.
 
Das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben, wird stark von pers√∂nlichen Merkmalen (Alter, Berufsausbildung, Geschlecht, Nationalit√§t, Gesundheitszustand) beeinflusst. Viele Arbeitnehmer sind nicht ausreichend oder dem Bedarf entsprechend ausgebildet. So betr√§gt der Anteil von Nichtfacharbeitern und einfachen Angestellten an den Arbeitslosen (2000) 37,8 %. In den neuen Bundesl√§ndern spielt die Qualifikation eine eher untergeordnete Rolle, da die Erwerbst√§tigen in der DDR weitgehend formalisierte Berufsausbildungen mit entsprechenden Abschl√ľssen absolvierten. So ist der Anteil der Arbeitslosen ohne abgeschlossene Berufsausbildung hier nur etwa halb so hoch wie in den alten Bundesl√§ndern. Dagegen tragen die Frauen in den neuen Bundesl√§ndern die Hauptlast der Arbeitslosigkeit. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitslosen ging zwar von (1992) 64,7 % auf (2000) 51,8 % zur√ľck. Die spezifische Arbeitslosenquote lag aber trotz der sich schrittweise zur√ľckbildenden Erwerbsneigung der Frauen immer noch √ľber der der M√§nner und betrug im Jahr 2000 noch knapp 20 %. Auch unter den Langzeitarbeitslosen findet man √ľberwiegend (63 %) Frauen.(Tabelle 4)
 
Als Problemgruppen, die besonders von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, gelten Behinderte, ausl√§ndische, gering qualifizierte und √§ltere Arbeitnehmer, wobei diese Merkmale zum Teil miteinander korrelieren und in Kombination zu differenzierten Risikolagen f√ľhren. So treten beispielsweise gesundheitliche Beeintr√§chtigungen √ľberwiegend bei √§lteren Personen auf; fehlt bei solchen Arbeitslosen auch noch eine berufliche Ausbildung, ist ihre Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt besonders schwierig. Umgekehrt sind die Probleme der gering qualifizierten bedeutend geringer, soweit es sich um j√ľngere, gesunde Personen handelt. Differenzierte Analysen der Arbeitsmarktforschung zeigen, dass bei Kontrolle aller relevanten Einflussfaktoren dem Alter das gr√∂√üte Gewicht bei der Wiedereingliederung zukommt. So war 2000 in den alten Bundesl√§ndern fast jeder vierte und in den neuen L√§ndern knapp jeder f√ľnfte Arbeitslose √§lter als 55 Jahre; im fr√ľheren Bundesgebiet hat sich der Anteil von 1975 bis 2000 mehr als verdoppelt. Dabei bleibt unber√ľcksichtigt, dass eine bestimmte Anzahl √§lterer Arbeitsloser auch nach dem Rentenreformgesetz 1999 (Rentenversicherung) vor Erreichen des 65. Lebensjahres vorgezogenes Altersruhegeld beantragt und aus dem Erwerbsleben ausscheidet sowie 58-J√§hrige auf Vermittlungsbem√ľhungen der Arbeits√§mter verzichten k√∂nnen und dann nicht mehr als Arbeitslose gez√§hlt werden. Im Jahr 2000 waren dies rd. 191 000 Personen. Demgegen√ľber bleibt bei Kerngruppen des Arbeitsmarktes, v. a. bei gut ausgebildeten Personen mittleren Alters, das Risiko, arbeitslos zu werden und zu bleiben, unterdurchschnittlich (Tabelle 5).
 
Die Arbeitslosenquote ausl√§ndischer Arbeitnehmer betrug (2000) 17,3 %. Diese √ľberdurchschnittliche Quote ist v. a. darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass der Anteil der Facharbeiter und Angestellten unter den Ausl√§ndern relativ niedrig ist und ausl√§ndische Arbeitnehmer oft in krisenanf√§lligen Branchen arbeiten (z. B. Bausektor, Eisen- und Stahlindustrie).
 
Die Bestandszahlen und ihre Struktur beziehungsweise die speziellen Arbeitslosenquoten weisen im Grunde nur auf Gruppenrisiken hin, z. B. auf die √ľberdurchschnittliche Belastung der √Ąlteren oder der norddeutschen Regionen durch Arbeitslosigkeit. Sie sagen f√ľr sich genommen wenig √ľber die Risiken von Einzelpersonen. Diese werden erst sichtbar, wenn man Bewegungsvorg√§nge (Zug√§nge in, Abg√§nge aus Arbeitslosigkeit) in die Betrachtung einbezieht. Dabei wird das Arbeitslosigkeitsrisiko zerlegt in ein Zugangsrisiko (mit geringerer Bedeutung) und ein Verweilrisiko. Die Arbeitslosenquoten von J√ľngeren und von √Ąlteren sind, auch bei gleicher H√∂he, verschieden zu bewerten: die J√ľngeren haben ein hohes Zugangsrisiko (√úbergang von der Ausbildung in den Beruf) bei vergleichsweise kurzem Verweilrisiko. Die √Ąlteren haben (u. a. wegen des K√ľndigungsschutzes) ein vergleichsweise geringeres Zugangsrisiko, sie haben aber ein weit √ľberdurchschnittliches Verweilrisiko und werden so zur wichtigsten Zielgruppe der Arbeitsmarktpolitik.
 
Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit und ihre Verteilung ist insofern eine zentrale Kenngröße von Arbeitsmärkten und Teilarbeitsmärkten, auch im internationalen Vergleich. So ist z. B. der Arbeitsmarkt der USA im Hinblick auf Arbeitslosigkeit durch eine hohe Umschlagsgeschwindigkeit, also hohe Zugangszahlen bei geringer Verweildauer, gekennzeichnet. Westeuropäische Arbeitsmärkte, z. B. Deutschland, Frankreich, liegen im mittleren Feld.
 
Der Dauer der Arbeitslosigkeit kommt auch insoweit eine besondere Bedeutung bei der Beurteilung des Arbeitsmarktes zu, als sie die zentrale Komponente bei Bestandsver√§nderungen (Auf- und Abbau der Arbeitslosigkeit) darstellt. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit von der Vollbesch√§ftigung im Jahre 1972 mit einer Arbeitslosenquote von 1,1 % auf 1,272 Mio. Arbeitslose 1981 ging noch etwa gleichgewichtig einher mit einer Verl√§ngerung der Dauer von durchschnittlich 6,9 Wochen auf 16,2 Wochen und einer Zunahme der Betroffenheit von 8,4 % auf 18 %. Dagegen vollzog sich der weitere Anstieg der Arbeitslosenquote von (1981) 5,5 % auf (1986) 9,0 % ausschlie√ülich √ľber die Dauer, die sich von 16,2 Wochen auf 30,5 Wochen verl√§ngerte. 2000 lag die Dauer f√ľr Gesamtdeutschland bei 35 Wochen; in den neuen Bundesl√§ndern ist sie nur geringf√ľgig h√∂her als im fr√ľheren Bundesgebiet.
 
Angesichts der Herausbildung hartn√§ckiger Langzeitarbeitslosigkeit - darunter fallen Personen, die bereits l√§nger als ein Jahr arbeitslos sind - wird der Dauer der Arbeitslosigkeit verst√§rkte Aufmerksamkeit gewidmet. In den alten Bundesl√§ndern hatte die Langzeitarbeitslosigkeit bereits Mitte der 80er-Jahre Anteilswerte von √ľber 30 % erreicht. Nach einem durch arbeitsmarktpolitische Programme erreichten R√ľckgang auf (1993) 26 % √ľberschritt sie 1995 erneut die 30 %-Marke und lag 2000 bei 36,4 %. In den neuen Bundesl√§ndern wird inzwischen eine √§hnliche Gr√∂√üenordnung erreicht.
 
 Ursachen · Erklärungen
 
Grunds√§tzlich vollzieht sich die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Spannungsfeld von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt. Wie jedes Marktungleichgewicht kann Arbeitslosigkeit durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht sein, wobei zun√§chst aufgrund des Messkonzepts zwischen registrierter Arbeitslosigkeit und nicht registrierter (versteckter) Arbeitslosigkeit unterschieden wird. Versteckte Arbeitslosigkeit liegt u. a. vor, wenn Arbeitskr√§fte aus dem Erwerbsleben ausscheiden, ohne sich arbeitslos zu melden, Arbeitskr√§fte aufgrund fehlender Besch√§ftigungsm√∂glichkeiten vorzeitig in den Ruhestand treten, Jugendliche mangels Besch√§ftigungsm√∂glichkeiten ihre Bildungswege, M√ľtter entsprechend ihre Kindererziehungszeiten verl√§ngern, arbeitslos gewordene Ausl√§nder zeitweilig in ihr Heimatland zur√ľckkehren (exportierte Arbeitslosigkeit). Nicht registriert wird auch Arbeitslosigkeit aufgrund einer zeitweiligen Verringerung der Arbeitszeit (z. B. Kurzarbeit, √úberstundenabbau) und verdeckte Arbeitslosigkeit (Arbeitskr√§fte nehmen eine unterwertige Besch√§ftigung an, Arbeitnehmer sind unproduktiv besch√§ftigt). stille Reserve.
 
Versteckte und verdeckte Arbeitslosigkeit haben zur Folge, dass die gemessene (registrierte) Arbeitslosigkeit die tats√§chliche Arbeitsmarktsituation tendenziell zu positiv wiedergibt. Andererseits muss ber√ľcksichtigt werden, dass es auch Arbeitslose gibt, die zwar arbeitsf√§hig, aber nicht arbeitswillig sind oder freiwillig ihren Arbeitsplatz wechseln und dadurch kurzfristig arbeitslos werden. Dieser Teil der Arbeitslosigkeit wird als ¬Ľunecht¬ę oder ¬Ľfreiwillig¬ę bezeichnet. Unechte Arbeitslosigkeit f√ľhrt dazu, dass die gemessene Arbeitslosigkeit die tats√§chliche Arbeitsmarktsituation tendenziell zu negativ wiedergibt.
 
Arbeitslosigkeit, die auf einen freiwilligen Arbeitsplatzwechsel zur√ľckzuf√ľhren ist, ist Teil der so genannten friktionellen Arbeitslosigkeit. Diese kann dar√ľber hinaus auch dadurch verursacht sein, dass aufgrund von Strukturverschiebungen der Nachfrage bei Vollbesch√§ftigung Arbeitskr√§fte in einer (schrumpfenden) Branche freigesetzt werden, aufgrund mangelnder Transparenz des Arbeitsmarktes einige Wochen verstreichen, bis ein neuer Arbeitsplatz in einer (wachsenden) Branche gefunden ist. In beiden F√§llen ist friktionelle Arbeitslosigkeit vor√ľbergehend mit einem Arbeitsplatzwechsel verbundene ¬ĽSucharbeitslosigkeit¬ę: die Arbeitsplatzsuche ist zeitaufwendig und verursacht einen vollkommenen - oder bei Zahlung von Arbeitslosengeld oder Abfindungen - teilweisen Einkommensausfall. Der Arbeitssuchende handelt √∂konomisch rational, da er die erwarteten Ertr√§ge (z. B. h√∂heres Arbeitsentgelt, bessere Arbeitsbedingungen) mit den Kosten des Arbeitsplatzwechsels vergleicht (z. B. Bewerbungskosten, Einkommensausf√§lle) und Arbeitslosigkeit so lange in Kauf nimmt, wie die Ertr√§ge die Kosten √ľbersteigen.
 
In jahreszeitlich bedingten Produktions- und Nachfrageschwankungen liegt die Ursache f√ľr saisonale Arbeitslosigkeit. Besonders betroffen hiervon sind Landwirtschaft, Baugewerbe und Tourismus sowie ihre vor- oder nachgelagerten Produktionsstufen. Saisonale und friktionelle Arbeitslosigkeit werden auch als tempor√§re oder kurzfristige Formen der Arbeitslosigkeit bezeichnet.
 
Kommt es zu einem vor√ľbergehenden R√ľckgang der gesamtwirtschaftlichen G√ľternachfrage, so f√ľhrt das Nachfragedefizit auf den G√ľterm√§rkten auch zu einem Nachfragedefizit am Arbeitsmarkt, d. h. zu Freisetzung von Arbeitskr√§ften. Ursache f√ľr diese konjunkturelle (keynesianische) Arbeitslosigkeit sind also Schwankungen im Auslastungsgrad des gesamtwirtschaftlichen Produktionspotenzials. J. M. Keynes erkl√§rte die Massenarbeitslosigkeit als Koordinationsversagen des Marktsystems und wies dem Staat die Aufgabe zu, Vollbesch√§ftigung sicherzustellen. Gelingt hiernach die Nachfragestimulierung, um die Unterauslastung des Produktionspotenzials zu beseitigen, ist konjunkturelle Arbeitslosigkeit kurzfristig; versagt aber die staatliche Wirtschaftspolitik, versch√§rft sich der kontraktive Prozess, die konjunkturelle Arbeitslosigkeit dauert l√§nger an (Besch√§ftigung).
 
L√§ngerfristige Formen der Arbeitslosigkeit (Dauerarbeitslosigkeit) k√∂nnen in einer gesamtwirtschaftlichen Arbeitsplatzl√ľcke als Folge eines zu geringen Wirtschaftswachstums (Wachstumsdefizitsarbeitslosigkeit) begr√ľndet sein, oder sie sind strukturell bedingt. Strukturelle Arbeitslosigkeit beruht auf regionalen, berufs- und qualifikationsspezifischen, branchenm√§√üigen, geschlechts- und altersspezifischen Missverh√§ltnissen zwischen Arbeitsangebot und -nachfrage. Diese Missverh√§ltnisse werden zum einen mit Merkmalsdiskrepanzen zwischen Arbeitskr√§fteangebot und -nachfrage begr√ľndet und zum anderen als Folge unzureichender Anpassungsf√§higkeit (Mobilit√§t) betrachtet. Bis zu einem bestimmten Grad ist f√ľr eine dynamische Wirtschaft strukturelle Arbeitslosigkeit unvermeidlich, da sich die Zusammensetzung von Angebot und Nachfrage st√§ndig ver√§ndert und die Anpassung des Faktors Arbeit begrenzt ist. Entscheidende Ursache f√ľr strukturelle Arbeitslosigkeit sind Ver√§nderungen in den Produktionsbedingungen infolge eines Strukturwandels (Ver√§nderungen in der Struktur der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, Produkt- und Preisinnovationen). Technologischer Wandel kann zu einer Freisetzung von Arbeitskr√§ften in bestimmten Branchen f√ľhren. Dieser Freisetzungseffekt des technischen Fortschritts kann die Aufnahmef√§higkeit wachstumsstarker Branchen √ľbersteigen, sodass es trotz hinreichender Mobilit√§t der Arbeitskr√§fte zu technologischer Arbeitslosigkeit kommt. Der allgemeine Strukturwandel f√ľhrt auch zu Strukturverschiebungen der Arbeitskr√§ftenachfrage nach bestimmten Berufen und Qualifikationen. Da sich der k√ľnftige Qualifikationsbedarf nur begrenzt prognostizieren l√§sst und die Anpassung der Qualifikation Zeit braucht, ist strukturelle Arbeitslosigkeit die Folge.
 
Regionale Arbeitsplatzverlagerungen f√ľhren bei unzureichender Mobilit√§t zu erh√∂hter Arbeitslosigkeit besonders in Regionen mit unausgewogener Wirtschaftsstruktur, z. B. mit einem hohen Anteil veralteter beziehungsweise schrumpfender Wirtschaftszweige (z. B. Eisen- und Stahlindustrie, Schiffbau, Bergbau im Ruhrgebiet), mit einem hohen Anteil schrumpfender Branchen (z. B. Landwirtschaft, Textilindustrie) oder mit Standortnachteilen. Ein wichtiges Mobilit√§tshemmnis stellt eine nicht marktgerechte Lohnstruktur dar. Eine marktkonforme sektorale, regionale und berufliche Lohndifferenzierung erm√∂glicht eher die Anpassung des Arbeitsmarktes an den Strukturwandel auf den G√ľterm√§rkten. Neoklassiker und Monetaristen erkl√§ren Arbeitslosigkeit v.a. als Ausdruck unzureichender Flexibilit√§t des Arbeitsmarktes: h√§ufig w√ľrden relativ zu hohe Reallohns√§tze zum Verlust rentabler Arbeitspl√§tze v. a. im Bereich niedriger Qualifikationsgruppen (Mindestlohnarbeitslosigkeit) f√ľhren.
 
Eng verkn√ľpft mit der strukturellen Arbeitslosigkeit auf sektoraler Ebene ist die Arbeitslosigkeit als Folge eines dauerhaften gesamtwirtschaftlichen Mangels an Arbeitspl√§tzen auf gesamtwirtschaftliche Ebene. Hauptursachen sind eine anhaltende Verlangsamung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums bei unver√§nderter Steigerung der Arbeitsproduktivit√§t (Stagnationsarbeitslosigkeit) und eine zunehmende Freisetzung von Arbeitskr√§ften durch Rationalisierung vieler Arbeitsabl√§ufe in Industrie und Verwaltung (z. B. Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien). Gesamtwirtschaftlich √ľbersteigt dann der Freisetzungseffekt des technischen Fortschritts den Kompensationseffekt (Ausgleichseffekt) durch wirtschaftlichen Wachstum (technologische Arbeitslosigkeit) auf gesamtwirtschaftliche Ebene. Dritte Ursache ist ein im langfristigen Trend zunehmendes Erwerbspersonenpotenzial aufgrund demographischer Entwicklungen, insbesondere Zuwanderungen (Ausl√§nder, Aussiedler) und Ver√§nderungen im Erwerbsverhalten. Diesem steigenden Arbeitskr√§fteangebot steht unter Umst√§nden kurzfristig keine entsprechende Erh√∂hung des Arbeitsplatzangebots gegen√ľber (demographische Arbeitslosigkeit).
 
Die Wachstumsverlangsamung wird auf bestehende Wachstumsgrenzen hoch entwickelter Industriestaaten sowie auf gesamtwirtschaftliche nachfrage- und angebotsseitige St√∂rungen zur√ľckgef√ľhrt. Auf der Nachfrageseite werden v. a. S√§ttigungstendenzen im Konsumg√ľterbereich aufgrund eines Wertewandels zugunsten von mehr Freizeit und weniger materiellem Wohlstand diskutiert.
 
Gr√ľnde f√ľr angebotsseitige Wachstumsst√∂rungen werden in falschen Rahmenbedingungen (unrentable Investitions- und Produktionsbedingungen) f√ľr die Privatwirtschaft und dem im Vergleich zu den Sachkapitalkosten starken Anstieg der Arbeitskosten gesehen. Zudem verhindern tarifvertraglich vereinbarte und gesetzliche Mobilit√§tshemmnisse eine rechtzeitige und wirksame Harmonisierung von Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt. Unternehmensentscheidungen (z. B. der Bau neuer Produktionsanlagen) werden stets mit Blick auf die geltenden und erwarteten Steuer-, Sozial- und neuerdings auch auf die Umweltgesetze getroffen. Eine hohe Gewinnbesteuerung im Inland beispielsweise erh√∂ht die Neigung, in Niedrigsteuerl√§nder auszuweichen und damit Arbeitspl√§tze ins Ausland zu verlagern.
 
Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland seit 1974 wird v. a. auf strukturelle und wachstumsdefizit√§re Ursachen zur√ľckgef√ľhrt. 1962-73 beschr√§nkte sich die Arbeitslosigkeit v.a. auf eine saisonal und friktionell bedingte Sockelarbeitslosigkeit mit einem ¬ĽBodensatz¬ę schwer vermittelbarer Arbeitsloser und einer konjunkturellen Komponente (z. B. in der Rezession 1967/68). Das Verharren der Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau seit 1974 ist gesamtwirtschaftlich durch Stagnationsarbeitslosigkeit und seit 1976 zunehmend durch demographische Arbeitslosigkeit bedingt, verst√§rkt durch strukturelle Arbeitslosigkeit auf sektoraler und regionaler Ebene. Da mit zunehmender Produktion zun√§chst Besch√§ftigungsreserven in den Unternehmen genutzt werden, treten Verbesserungen am Arbeitsmarkt erst mit Verz√∂gerungen ein.
 
 Auswirkungen
 
Selbst bei einer gut ausgebauten Arbeitslosenversicherung wie in Deutschland f√ľhrt Arbeitslosigkeit f√ľr die Betroffenen zu einer sp√ľrbaren Senkung des Konsumstandards. Besonders bei dauerhafter Arbeitslosigkeit auf hohem Niveau kommt es zu Verlagerungen der Leistungen der Arbeitslosenversicherung von Arbeitslosengeld zu Arbeitslosen- und Sozialhilfe sowie zu neuen Formen der Armut.
 
Den fragw√ľrdigen ¬Ľpositiven¬ę Seiten des Arbeitsplatzverlustes (mehr Zeit f√ľr die Familie, Chance f√ľr eine berufliche Neuorientierung) stehen viele negative Faktoren entgegen. Einkommenseinbu√üen sowie der Verlust einer geregelten T√§tigkeit und die damit einhergehende Aufgabe eines festen Lebensrhythmus k√∂nnen bei den Betroffenen zur Deformation des Selbstkonzeptes (Sich-wertlos-F√ľhlen), zu Perspektivlosigkeit, Rollenverlust des Mannes als Hauptverdiener und zu sozialer Isolation f√ľhren. In empirischen Untersuchungen konnte der Zusammenhang zwischen √∂konomischer Situation (eingeschr√§nkte Geldmittel) und psychische Verfassung der Arbeitslosen (Alkoholismus, Depression, Eheprobleme, Resignation) im weitesten Sinne nachgewiesen werden. Auch der gesundheitliche Zustand kann sich verschlechtern, wobei besonders eine Tendenz zu psychosomatischen Erkrankungen besteht. Auch Familienangeh√∂rige, insbesondere Kinder, zeigen bei l√§ngerdauernder Arbeitslosigkeit der Eltern oder eines Elternteils psychosoziale Auff√§lligkeiten. Ein durch die Arbeitslosigkeit gef√∂rderter Politisierungseffekt konnte jedoch in j√ľngerer Vergangenheit kaum festgestellt werden.
 
Gesamtwirtschaftlich bedeutet Arbeitslosigkeit Vergeudung knapper Ressourcen, entgangene Produktions- und Konsumm√∂glichkeiten, entgangene Beitr√§ge zur Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung sowie Ausf√§lle bei den direkten und indirekten Steuern. √úber Einnahmeausf√§lle und Ausgabensteigerungen stellt die Arbeitslosigkeit also eine latente Gefahr f√ľr die sozialen Sicherungssyteme dar.
 
In Deutschland beliefen sich die durchschnittlichen j√§hrlichen Kosten f√ľr Empf√§nger von Arbeitslosengeld (1999) auf rd. 45 400 DM in den alten und rd. 37 680 DM in den neuen Bundesl√§ndern (Tabelle 6).
 
 Maßnahmen
 
Da sich die verschiedenen Ursachen der Arbeitslosigkeit gegenseitig ergänzen und verstärken und die wirtschaftswissenschaftlichen Erklärungsansätze divergieren, ist eine ursachenadäquate Bekämpfung der Arbeitslosigkeit schwierig.
 
W√§hrend friktionelle und saisonale Arbeitslosigkeit durch arbeitsmarktpolitische Ma√ünahmen (z. B. Verbesserung des Stelleninformations- und Vermittlungssystems) bek√§mpft werden, sind Strategien zum Abbau konjunktureller, struktureller und wachstumsbedingter Arbeitslosigkeit wirtschaftswissenschaftlich wie wirtschaftspolitisch umstritten. Keynesianische und neoklassisch-monetaristische Konzeptionen stehen sich gegen√ľber. Zur Bek√§mpfung konjunktureller Arbeitslosigkeit fordert der Keynesianismus eine expansive Beeinflussung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage durch antizyklische Geld- und Fiskalpolitik (Globalsteuerung; z. B. Erh√∂hung der Staatsausgaben, Steuersenkungen, Konjunktur- beziehungsweise Besch√§ftigungsprogramme). Aus der Kritik an der Wirksamkeit des keynesianischen Instrumentariums fordert die neoklassisch-monetaristische Position einen Verzicht auf antizyklische Eingriffe und statt dessen eine verstetigte, am gesamtwirtschaftlichen Produktionspotenzial orientierte Geld- und Fiskalpolitik.
 
Strukturelle und wachstumsbedingte Arbeitslosigkeit wird seit Beginn der 80er-Jahre in vielen Industriel√§ndern durch angebotsorientierte Wirtschaftspolitik bek√§mpft (z. B. finanzielle Entlastung und Deregulierung). Demgegen√ľber fordern keynesianische Konzeptionen (z. B. der DGB, alternative Wirtschaftswissenschaftler) eine dauerhafte Ausweitung der Staatsausgaben, die v. a. √ľber h√∂here Staatsschulden finanziert werden sollen (z. B. Besch√§ftigungsprogramme mit Schwerpunkten in den Bereichen Umwelt, Bildung, Energie, Infrastruktur, Forschung und Technologie). Neben diesen offensiven (wachstumsorientierten) Grundstrategien werden auch eher defensive Strategien diskutiert und verfolgt, die auf eine Verringerung des Arbeitsvolumens zielen durch vor√ľbergehende oder dauerhafte Herabsetzung der Jahres- oder Wochenarbeitszeit, Ausweitung der Teilzeitbesch√§ftigung sowie Verringerung des Erwerbspersonenpotenzials. So soll z. B. durch wirtschaftspolitisch wegen ihrer Kosten-, Produktivit√§ts- und Nachfragewirkungen umstrittene Ma√ünahmen zur Flexibilisierung und Verk√ľrzung der Arbeitszeit sowie Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen (Altersteilzeitarbeit) das Arbeitsangebot reduziert beziehungsweise umverteilt werden. Wegen des sich bereits heute abzeichnenden demographisch bedingten R√ľckgangs des Erwerbspotenzials ab 2010, wegen Finanzierungsproblemen der Rentenversicherung bei fr√ľhzeitigem Eintritt in den Ruhestand und einer ansteigenden Lebenserwartung sind hier aber kaum noch Spielr√§ume gegeben.
 
Ein wesentlicher Beitrag zum Abbau struktureller Arbeitslosigkeit (besonders von Problemgruppen) wird von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen erhofft. Solche Maßnahmen, die v. a. die berufliche und regionale Mobilität der Arbeitskräfte verbessern, werden ergänzt durch regionale und sektorale Strukturpolitik (z. B. Industrieansiedlung in strukturschwachen Gebieten).
 
Wegen der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit in den Mitgliedstaaten der EU hat der Rat der Europ√§ischen Union besch√§ftigungspolitische Ma√ünahmen beschlossen, die 1997 in die Wege geleitet wurden und sich auf vier Handlungsfelder erstrecken: 1) Verbesserung der Besch√§ftigungsf√§higkeit; 2) Entwicklung von Unternehmergeist und Schaffung von Arbeitspl√§tzen; 3) F√∂rderung der Anpassungsf√§higkeit der Unternehmen und ihrer Besch√§ftigten; 4) Verst√§rkung der Ma√ünahmen zur F√∂rderung der Chancengleichheit f√ľr Frauen und M√§nner. Diese Handlungsfelder wurden konkretisiert und mit quantitativen Zielvorgaben verbunden. So erging z. B. die Forderung an alle Mitgliedstaaten, allen arbeitslosen Jugendlichen innerhalb von 6 Monaten und allen arbeitslosen Erwachsenen innerhalb von 12 Monaten einen Neuanfang (Ausbildung, Umschulung) zu erm√∂glichen. Die besch√§ftigungspolitischen Leitlinien waren von den EU-L√§ndern in spezifische nationale Aktionspl√§ne umzusetzen. Im M√§rz 2000 f√ľhrte der Rat in Lissabon eine Halbzeitbewertung der bisher realisierten Ma√ünahmen durch und sprach f√ľr die einzelnen L√§nder konkrete Empfehlungen zur weiteren Verfahrensweise aus. Deutschland wurde v. a. empfohlen, wegen der √ľberdurchschnittlich hohen Langzeitarbeitslosigkeit st√§rker pr√§ventiv t√§tig zu werden und im Hinblick auf die unbefriedigende Besch√§ftigungsentwicklung die Lohnnebenkosten zu senken. Die vier Grundpfeiler der besch√§ftigungspolitischen Leitlinien wurden inzwischen weiter aktualisiert, z. B. um Aktivit√§ten zum lebenslangen Lernen f√ľr einen wissensbasierten Wirtschaftsraum.
 
 Transformations- und Entwicklungsländer
 
In den ehemaligen Staatshandelsl√§ndern mit sozialistischer Planwirtschaft (Transformationsl√§nder) trat beim √úbergang von der Plan- zur Marktwirtschaft nach 1989 die verdeckte Arbeitslosigkeit, die bis dahin durch Hortung von Arbeitskr√§ften, unzureichende Nutzung des Qualifikationspotenzials oder durch unproduktive T√§tigkeiten verschleiert worden war, offen zutage. In dem Ma√üe, wie sich die privatisierten Unternehmen im nationalen und internationalen Wettbewerb behaupten m√ľssen, werden ineffiziente Produktionsstrukturen abgebaut und in erheblichem Umfang Arbeitskr√§fte freigesetzt. Die Quote der registrierten Arbeitslosen schwankte (1994) zwischen 4,4 % in der Tschechischen Republik und 14,4 % in Polen; die Unterschiede sind inzwischen aber geringer geworden (1999: 8,8 % beziehungsweise 12,9 %). Die sozialen Sicherungssysteme sind in der Regel noch unzureichend ausgebaut.
 
Die statistische Erfassung der Arbeitslosigkeit in Entwicklungsl√§ndern ist unzureichend, obwohl Arbeitslosigkeit eines der dr√§ngendsten sozialen und wirtschaftlichen Probleme ist, das sich zuk√ľnftig noch versch√§rfen d√ľrfte, da sich in diesen L√§ndern das Arbeitskr√§fteangebot aus demographischen Gr√ľnden sehr stark erh√∂hen wird. So wird im Report der Internationalen Arbeitsorganisation ¬ĽWorld Employment¬ę f√ľr diesen L√§nderbereich der Begriff Arbeitslosigkeit kaum verwendet. Es ist √ľberwiegend von Unterbesch√§ftigung und Armut die Rede.
 
Grundlegende Unterschiede zur Arbeitslosigkeit in Industriel√§ndern bestehen v. a. darin, dass soziale Sicherungssysteme kaum vorhanden sind und dass die versteckte die registrierte Arbeitslosigkeit bei weitem √ľbertrifft. Besondere Erscheinungsformen versteckter Arbeitslosigkeit in Entwicklungsl√§ndern sind aufgrund der spezifischen Wirtschaftsstruktur (z. B. hoher Anteil der Landwirtschaft am Bruttoinlandsprodukt, einseitige Abh√§ngigkeiten vom Export weniger Rohstoffe): 1) saisonale Arbeitslosigkeit: das Erwerbspersonenpotenzial wird nur bei Bodenbestellung und Ernte ausgelastet; 2) konjunkturelle Arbeitslosigkeit: der Besch√§ftigungsgrad schwankt entsprechend den Nachfrageschwankungen f√ľr Rohstoffe auf dem Weltmarkt; 3) strukturelle Arbeitslosigkeit: dauerhafte Unterbesch√§ftigung im Bereich der Subsistenzwirtschaft (v. a. Afrika, s√ľdliches Asien). Hinzu kommt verst√§rkt die mangelhafte Ausnutzung des Erwerbspersonenpotenzials in den st√§dtischen Regionen: Aufgrund fehlender regul√§rer Besch√§ftigungsm√∂glichkeiten gehen die Menschen in gro√üer Zahl in den so genannten informellen Sektor (z. B. Stra√üenhandel, Schuhputzkolonnen), dessen Eink√ľnfte kaum zur Befriedigung der Grundbed√ľrfnisse ausreichen. Weitere Besch√§ftigungsprobleme der Entwicklungsl√§nder sind geringe Arbeitsproduktivit√§t, unzureichendes Wirtschaftswachstum, die Aneignung und zum Teil auch Verschwendung betr√§chtlicher Teile des Bruttosozialprodukts durch eine Minderheit sowie die steigenden Auslandsschulden (Schuldenkrise).
 
Zur Beseitigung der hohen Arbeitslosigkeit in den Entwicklungsl√§ndern und zur Sicherung eines Mindesteinkommens f√ľr die Befriedigung elementarer Bed√ľrfnisse ist eine besch√§ftigungsorientierte Entwicklungsstrategie notwendig: Investitionen in die Erwerbspersonen (v. a. bessere Ausbildung), in die l√§ndlichen Regionen, in arbeitsintensive Produktionsmethoden (angepasste Technologie) und in die Herstellung lebensnotwendiger Gebrauchsg√ľter, Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivit√§t, Schaffung nichtlandwirtschaftlicher Arbeitspl√§tze bei gleichzeitigem Ausbau der l√§ndlichen und st√§dtischen Infrastruktur. Die industrielle Entwicklung kann durch die √úbertragung von Sachkapital, von Technologie und Know-how in projektbezogenen ¬ĽPaketen¬ę gef√∂rdert werden, wobei die einheimischen Arbeitskr√§fte im Land selbst qualifiziert werden sollten. Die Durchsetzung solcher Ma√ünahmen ist politisch nicht einfach. Sie setzt oft Strukturreformen voraus (z. B. Agrarreformen) und kann unerw√ľnschte Nebenwirkungen ausl√∂sen (z. B. verst√§rkte Landflucht), die regional oder sektoral Arbeitslosigkeit noch versch√§rfen k√∂nnen.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Entwicklungspolitik · Keynesianismus · Konjunktur · Monetarismus · Neoklassik · Stabilitätspolitik · Wachstum
 
 
Bringt die EU-Beschäftigungsoffensive den Aufschwung?, hg. v. H. König (1994);
 U. Vollmer: A. in sozialist. Planwirtschaften (1994);
 
 
Wirtschaftsstruktur u. Arbeitsplätze im Wandel der Zeit, hg. v. H. G. Merk (1994);
 
Erwerbst√§tigkeit u. A.: Entwicklung, Ursachen, Ma√ünahmen, hg. v. Kommission f√ľr Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern u. Sachsen (1998);
 H.-J. Stadermann: A. im Wohlfahrtsstaat (21998);
 L. Funk: Institutionell verhärtete u. politisch rationale A. in der Bundesrepublik Dtl. (1999);
¬†W. Klauder: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Mit offensiven Strategien zu mehr Besch√§ftigung (Z√ľrich 1999);
 
Arbeitsmarkt- u. Beschäftigungspolitik in der EU, hg. v. H.-W. Platzer (2000);
 W. Pauer: Strukturelle A.Sektorale Schocks u. Mismatch in der Europ. Union (Wien 2000);
 
Soziale Sicherheit u. Strukturwandel der A., hg. v. H. G. Zilian u. J. Flecker (2000);
 
Wachstum, Beschäftigung und Arbeitslosigkeit, Beiträge von H. Buscher u. a. (2000);
 
Zw. A. u. √úberstunden, hg. v. D. Alewell (2000);
 U. Blien: A. u. Entlohnung auf regionalen Arbeitsmärkten (2001);
 M. Miegel u. S. Wahl: A. in Deutschland. Phantom und Wirklichkeit (2001);
 S. Munz u. W. Ochel: Fachkräftebedarf bei hoher A. (2001;
¬†O. Negt: Arbeit u. menschliche W√ľrde (2001);
 
Unemployment in the new Europe, hg. v. N. Bermeo (Cambridge 2001.
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Arbeitslosigkeit: Ursachen der Arbeitslosigkeit
 
Beschäftigung: Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
 
Inflation: Inflation und Stagflation
 
Konjunktur: Konjunktur und Konjunkturverlauf
 

* * *

AŐ£r|beits|lo|sig|keit, die; -: 1. das Arbeitslossein; Zustand, ‚ÜĎarbeitslos (1) zu sein. 2. das Vorhandensein von Arbeitslosen: es gab kaum, keine A.

Universal-Lexikon. 2012.

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